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Schwieriges Thema: Roman berichtet offen und ehrlich über den Kampf mit seinen Depressionen.
Hallo Roman. Du schreibst über Depressionen. Wie kam es dazu?
Seit meiner Jugend schreibe ich schon Gedichte, Texte, zeitweise auch Offline Tagebücher, die ich aber nach kurzer Zeit aufgab. Ich habe festgestellt, dass mir beim traditionellen Tagebuchschreiben eine direkte Kommunikation mit den Lesern fehlt, die in der Blogwelt vorhanden ist. Außerdem kann man auch andere Betroffene kennenlernen, die wie ich unter Depressionen leiden. Von der Möglichkeit der Blogs habe ich vor einigen Jahren erfahren, als mir jemand begeistert in einem Internet-Forum für Jugendliche und junge Erwachsene davon berichtete. Erst seit kurzer Zeit sind Blogs auch wegen ihrer politischen Brisanz in einigen Ländern wie der arabischen Welt oder auch in China oder Russland mehr in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt.
Du bist selbst betroffen. Wie hat sich das zum ersten Mal manifestiert?
Ich denke man stellt selbst sehr spät fest, dass man an einer Depression erkrankt ist. Fast jeder Mensch kennt Episoden, wo er sich schlecht fühlt und nichts machen will, sowas nennt man in medizinischen Kreisen eine depressive Verstimmung, die aber im allgemeinen nach kurzer Zeit abklingt. Eine Depression ist oft ein schleichender Prozess, der sich über Monate, Jahre hinzieht und sich bei mir darin manifestierte, dass man soziale Kontakte meidet, unter Konzentrationsschwierigkeiten leidet, schlecht aus dem Bett kommt, ein Schweregefühl spürt,Grübeleien, Selbstmordgedanken hegt, mangelndes Selbstwertgefühl, Schuldvorwürfe an der eigenen Person und an dieser Welt… Ich denke, dass ich schon seit meiner Kindheit unter Depressionen gelitten habe, da ich in einer sehr instabilen Familie aufwuchs. Schon als Kind habe ich mich vor dieser Welt zurückgezogen, da ich mit ihr nichts gutes verbunden habe. Heute versuche ich aus dieser Isolation rauszukommen.
Wie können sich depressive Menschen selbst helfen?
Ich denke es ist für einen Depressiven sehr schwer, sich selber zu helfen, da ein Depressiver fast immer in einer passiven Haltung ist. Depressive ziehen sich wie ich es ja gesagt habe, oft in ihre eigene Welt zurück, weil sie alles was sie erleben, negativ deuten. Für einen Depressiven ist das Internet ein Glücksfall, da er ohne Probleme andere Betroffene kennenlernen kann und so schon mal erfährt, dass er nicht der Einzige ist, der diese Probleme hat. Manche erzählen dann in ihrem Blog oder auch in einem Internetforum für Schwermütige, dass sie einen Aufenthalt in einer Klinik gemacht haben und ermuntern so den passiven Depressiven, ihrem Beispiel zu folgen. Das Wichtigste ist aus meiner Erfahrung, dass man aktiv wird und sein Schicksal mit dieser schweren Krankheit nicht als gottgegeben hinnimmt!
Welche Medikamente oder Therapien helfen deiner Meinung nach am besten: Produkte der Pharmaindustrie, homöopathische Mittel oder andere andere Methoden?
Ich denke es gibt nicht DEN Weg aus der Depression, genauso gibt es auch viele Wege nach Rom. Als ich im April 2002 zum ersten Mal Antidepressiva nahm, habe ich eine sehr gute Verbesserung meiner eigenen psychischen Verfassung gespürt. Ich sah viele Dinge viel klarer, als vorher und wurde ausgeglichener. Zu dieser Zeit lebte ich in einem Übergangsheim für psychisch Kranke und litt an Liebeskummer. Ich wollte zu diesem Zeitpunkt, als es mir besser ging, die negative Stimmung in diesem Übergangsheim verändern, aber ich hatte leider keinen Erfolg. Also kehrten die Depressionen nach einem halben Jahr wieder zurück, trotz Medikamente. Mein Fehler war, dass ich mein Leben nicht verändert habe, sondern dort weiter wohnte. Später halfen die Medikamente oft nicht und ich wandte ab 2006 die Selbsthypnose an, um meine Depressionen mit positiven Suggessionen wie "Ich bin frei von Depressionen" loszuwerden. Mit dieser Methode habe ich oft Erfolg, aber auch nicht immer. Viel wichtiger als Medikamente und Selbsthypnose ist, dass man sein eigenes Verhalten verändert, die die Depressionen verursachen. Daher kann oft eine Verhaltenstherapie bei einem Psychologen helfen. Auch wichtig ist Bewegung und Sport und frische Luft und Sonnenlicht. Mit Hömopathie habe ich keine Erfahrungen gemacht.
Welche Blogs liest du regelmäßig?
Sehr gerne lese ich den Blog von einem Österreicher in den mittleren Jahren, der unter www.lovehunter1.twoday.net über sein Schicksal als Single berichtet. Da ich genauso unter dem Singledasein leide, kann ich mich in vielem, was er dort sarkastisch beschreibt wiederfinden. Auch lese ich manchmal den Blog von Eva, die unter www.danielle1798.twoday.net über ihre Depris schreibt und der ich mit guten und netten Kommentaren versuche zu helfen. Auch lesenswert und leider viel zu wenig kommentiert, ist der politische Blog www.nichtalternativlos.wordpress.com.
Betreibst du noch andere Blogs?
Ich führe noch den politischen Blog www.meinepolitischengedanken.twoday.net, den ich ich allerdings seit einiger Zeit nicht mit neuen Themen gefüttert habe, was ich demnächst wieder tun will.
Was können wir in Zukunft von dir und deinem Blog erwarten?
Die Leser meines Deprifrei Blogs können auf jeden Fall erwarten, dass ich weiter ohne Selbstzensur über meine Probleme mit mir und meiner Krankheit berichten werde und auch mal ab und an gesellschaftliche Themen wie "Mindestlohn" oder "raffgierige Manager" aufgreifen werde. Die Menschen werden heute in der Arbeitswelt immer mehr unter Druck gesetzt, was auch viele psychische Erkankungen wie Depressionen begünstigt.
Irgendwelche Worte zum Schluss?
Die Frage klingt wie die Aufforderung nach einer Friedhofsrede, die ich aber nicht vorhabe. Trotz meiner Depris habe ich ja nicht vor Selbstmord zu begehen und ich habe die Hoffnung, dass ich manche Menschen durch meinen Blog helfen kann, besser mit ihrer Krankheit umzugehen und sich selbst nicht zu töten. Ich würde mich sehr freuen, wenn ich weitere Leser gewinnen könnte und man kann gerne Kommentare in meinem Blog hinterlassen, auch anonyme Beiträge von nicht regristrierten Mitgliedern sind willkommen. Ich bin ein Mensch der auch eine kritische Diskussion nicht aus dem Weg geht und ich bin über Anregungen erfreut. Auch habe ich zu dem Thema eine eigene Homepage gemacht, die man unter www.depressionen.de.tl erreichen kann und wo man z. B. etwas über Antidepressiva erfahren kann. Vielen Dank für die vielen letzten Worte, die ich noch sagen durfte.
Ich wünsche dir weiterhin viel Kraft für die Zukunft.
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