wieichreichwurde.blogspot.com

Hallo Cornelius, es freut mich, dass auch Du uns zum zweiten Mal in unserem schönen Bloggersdorf besuchst. Erzähl doch mal, wie ist es Deinem Blog seit unserem ersten Interview vor ca. einem Jahr ergangen?
Ich bin ja ein schweinefauler Blogger, wenngleich ich Ausreden parat hätte ( z.B. meine dreimonatige Fernreise im letzten Herbst). So liegen zwischen einzelnen Posts manchmal mehrere Tage oder gar Wochen. Trotzdem wächst die Leserschaft beständig und mit etwas mehr Aufwand war ich im Januar ein paar Male ganz nah an 400 Besuchern pro Tag.
Tatsächlich hat mein Blog inhaltlich eine spürbare Veränderung durchgemacht. Nicht mehr ich, mein Geld und mein Business stehen im Fokus, sondern Einwürfe zum Tagesgeschehen aus Politik und Gesellschaft. Meist greife ich Missstände auf und seziere sie zynisch oder pöbel ein wenig über Auswüchse von Gier. Der Blogtitel ist nun etwas irreführend, aber vielleicht schwenke ich irgendwann mal wieder in die ursprüngliche Richtung.

Dem Klischee nach zieht Reichtum bekanntlich zum einen Neider und Nutznießer, zum anderen Nachahmer an. Wie viele Leser verfolgen Deinen Blog denn mittlerweile regelmäßig?
Da kann ich aufgrund meines Billig-Blog-Tools gar keine Auswertung zu erheben. Einige Kommentatoren sind aber schon lange und immer wieder dabei. Viel spannender ist für mich aber die Frage wer sich auf meinen Blog verirrt (Googleanalytics sei Dank).
Da sind einmal meine Diss-Opfer wie Unternehmen, Banken, Agenturen, die SPD, aber auch immer öfter Verlagshäuser und TV-Sender – warum auch immer. Ich gebe zu ein wenig streichelt das mein Ego.
Noch amüsanter finde ich aber die Google-Suchbegriffe mit denen Leute zu mir kommen. Persönlichkeiten wie Ackermann, Madoff, Ronaldo und Merckle brachten mir einige Leser. Für glorreich halte ich meine Top Google-Platzierung für den Begriff “SPD abwärts”, aber bei “angelschein unter der Hand”, “Bilder scheißende Weiber” oder “Stadion Wurstpreis” kann ich nicht im Ansatz erahnen, warum Google die zu mir schickt.
Zum Anfang deiner Frage: Ich werde eigentlich recht selten behelligt von direkten Anfragen oder Beleidigungen. In den ersten Tagen meines Blogs, wo es noch vornehmlich um meinen Geschäftserfolg ging war das anders. Da schickten mir fremde Frauen tatsächlich ungefragt bebliderte Flirtanzeigen und andere Menschen meinten sie würden sich jetzt auch neu orientieren. Das wurde mir doch ein wenig zu heikel und persönlich, ich bin kein Guru oder Sektenführer und möchte keine Verantwortung für mir fremde Menschen auf mich laden.

Du lieferst in Deinen Texten häufig Denkansätze mit potenziellen wirtschaftlichen  Lösungen für Unternehmen aber auch Privatpersonen. Was erhoffst Du Dir davon?
Ganz erhlich: NIX!. Dazu sind die wirtschaftlichen Denkansätze in Deutschland zu festgefahren. Andererseits gibt es doch immer mal Reaktionen. Zum einen die oben erwähnten Rechercheure der Unternehmen und Agenturen oder wie im Fall smava ein direkter Kontakt und Dialog.
Viel mehr reizt mich aber die Kommunikation mit Gleichgesinnten oder Diskussionsbereiten, soweit ist mein Blog aber nur selten. Aber ich habe über diesen Blog schon zwei Menschen rekrutiert, die immer noch und hochqualitativ mit mir zusammenarbeiten. Insofern streue ich meine Wellenlänge als Köder ins Web und angel mir die richtigen Leute oder Unternehmen.
Aber das ist natürlich alles Lüge, tief in mir schlummert die Sehnsucht nach der Weltherrschaft. Mein System mit lachenden Kühen und glücklichen Kindern und Bankern die mir Bio-Pizza servieren.

Cornelius, Du nimmst in deinem Blog selten ein Blatt vor den Mund, thematisierst Fehler und Probleme in Politik, Wirtschaft und zuletzt auch Religion. Beim Lesen, Deiner Denkansätze kam mir immer wieder Folgendes in den Sinn: Toller Ansatz, funktioniert aber aufgrund der Faktoren „Mensch“ und „Gier“ nicht. Deine Meinung?
Du hast Recht. Dennoch nehme ich mir die Freiheit Mißstände zu benennen und erhoffe mir zumindest ein zwei Menschen zum Umdenken anzuregen. Ich glaube tatsächlich an die Macht von vielen “Kleinen”. Außerdem sind viele meiner Denkansätze nicht einfach negative Kritik sondern zeigen auch Parallelmodelle und Möglichkeiten auf. Ich kann nicht in “das haben wir immer so gemacht”-Strukturen denken.

Seit den ersten Überlieferungen der Historie nimmt man immer wieder wahr, dass der Mensch sich selbst zerstört. Glaubst Du, dass ein Tag kommt, an dem die Welt dies endlich merkt und „alles gut wird“ ?
Du erwähntest Gier…die werden wir kaum ausmerzen können. Aber ich glaube, dass die Gattung Mensch in Agesicht von Krise und existentieller Bedrohung immer wieder zu unerwarteten Meisterleistungen, Wandel und Solidarität fähig ist. So geschehen mit der Abwahl Bushs, dem Fall der Berliner Mauer, die Entwicklung der BRD in den letzten 60 Jahren, dem wachsenden Bewusstsein für die Umwelt etc.
Der Mensch wird es nie freiwillig tun und sich immer der nächste sein. Wenn sein Überleben aber nur gewährleistet ist, in dem er andere mit einbezieht und sein Verhalten ändert – tut er es. Kamikaze ist nur in wenigen Hirnen verankert. Wobei wir aktuell das Gegenteil fundamentieren.

Du erwähntest im letzten Gespräch, dass Du auf „die Ausreizung der deutschen Sprache“ Wert lägest. Dies hast Du meiner Meinung nach sehr gut beibehalten, so dass Dein Blog sich toll lesen lässt. Wenn man im Allgemeinen Print-, TV- und Online-Medien beobachtet, so bekommt man häufig den Eindruck, diese Sprache würde verloren gehen bzw. regelmäßig „verstümmelt“. Wie stehst Du zu diesem Problem?
Aiso ich kannauch anners Digga. Sprache ist Kommunikation und die kann auch mal dreckiges Gepöbel oder ein Nasenbeinbruch sein. In meinem Blog will ich aber spielen mit allem was sich mein beschränktes Hirn an Möglichkeiten zulässt. Regeln setze ich mir dabei nicht, außer vlt. in der Vermeidung von Floskeln, Phrasen und Anglizismen.
Das “meine Konkurrenz” die Sprache so vernachlässigt erkenne ich. Bei den Verlagen liegt es ganz sicher an Sparmaßnahmen – weniger Zeit, weniger Redakteure. Einen Braten zaubert man auch nicht ohne Fleisch und mit nur zehn Minuten Zeitaufwand. Ganz schlimm sind Namensspiele, da krieg ich Würgereiz.
Das gute alte Fernsehen erlebt gerade seine letzten Zuckungen und muss sich dem Niveau der verbliebenen Zuschauer anpassen. Geistige Ergüsse würden nicht verstanden. Naja und die Online-Welt ist eben hektisch, schnell und jedermann. Mein Blog strotzt auch von Rechtschreibfehlern und Flüchtigkeitsfehlern. Aber ich bin ja auch keine Redaktion ;)

Du beschwörst, Dich trotz Geldmehrung  nicht einschlägig verändert zu haben. Ein Phänomen, das ich als „Otto-Normal-Bürger“ nur selten wahrnehme. Bist Du die Ausnahme, die in dem Falle die Regel bestätigt?
Ich glaube nicht. Ich kenne genug “Ausnahmen”. Eklig sind vor allem die kleinen Maden, die sich reich fühlen…neureiche Kleinhirne. Weiter oben gibt es durchaus moralisch korrekte Menschgebliebene. Allerdings erlaubt unsere Kultur keine zu großen Abstände auf dem Konto. Zumindest darf es nicht bekannt sein (Grund für meine Diskretion). Geld ist ein Tabuthema und sorgt für Klischees: Hartz 4ler sind Alkis und Reiche sind arrogante Schweine…
Diese Distanz sorgt natürlich für Isolation. Ich versuche die zu umgehen, in dem niemand genau weiß, wieviel ich wirklich habe. Ich gelte als versorgt – ein Status den aber auch ein “durchschnittlicher” Akademiker hat. Wer protzt hat sich für ein positives Standing in der Gesellschaft schon disqualifiziert. Anders sieht es natürlich mit Leuten aus die im Licht der Öffentlichkeit stehen müssen (Schauspieler, Sänger, Politiker etc.) deren fehlende Intimsphäre neide ich in keinster Weise.

Welche Blogs verfolgst Du regelmäßig und möchtest sie unseren Lesern empfehlen?
Ich bin ein lahmes Mitglied der Blogosphäre, aber den Weltenforscher und Kurz nachgedacht lese ich immer wieder, die liefern sozusagen meine Thematik nur in seriös. Frisch dabei aber vielversprechend finde ich auch Brian B. Ashes und die Werbeblogkade .

Zum Schluss ein Spiel: Ich das Stichwort, Du den Rest:
Demokratie

Romantischer Irrtum, aber System mit dem niedrigsten Leidensfaktor für die Bevölkerung. Der größte Haken daran, ist die die hirnbefreite Zone mit Wahlrecht, welche manch unverdiente Mehrheit schafft und Missgeburten, wie die NPD ermöglicht.

Kapitalismus
Geld ist kuschelig und zweckdienlich. Die Verteilung mehr als suboptimal. Als Grundsystem brauchbar, in seiner Übersteigerung aber kriminell, boshaft und mordend. Die Krise wird hoffentlich für etwas Flurbereinigung frei von Hysterie sorgen.

Hamburg
Wär ich hier nicht gebohren, wär ich zugezogen. In Deutschland, die einzig ernstzunehmende Metropole, die dennoch grün und gemütlich ist. Größtes Manko ist die fehlende Klimaerwärmung, der Wohnungsmarkt und der ernüchternde Fussball.

Auch Du hast natürlich abschließend die Möglichkeit, der Welt deine Weisheiten kurz und bündig mitzuteilen. Interesse?
Positiver Egoismus und Engagement für ein erfülltes Leben, sind der angenehmste Erfolgshebel.

Cornelius, ich danke Dir für das angenehme Interview und wünsche Dir weiterhin alles Gute beim verbalen Kampf gegen die Finsternis.
Link: wieichreichwurde.blogspot.com

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3 Responses to “wieichreichwurde.blogspot.com”

  1. Kris Says:

    Oh bitte, nicht die deutsche Sprache und die Rechtschreibung anderer Seiten/Blogs reklamieren und selbst bei der Beantwortung eines E-Mail-Interviews Flüchtigkeitsfehler übersehen. Das kommt nicht authentisch rüber. Lieber das Geschriebene nochmal nach Fehlern durchsuchen.

    Gleiches gilt – wenn auch in abgeschwächter Form – für die Bloggersdorfer-Jungs. Eure kleinen Fehler sind wir Leser schon gewohnt.

  2. Karl Achmed Says:

    An Kris:
    Bitte schlagen Sie die Bedeutung des Adjektivs “authentisch” nach. Danke.

  3. admin Says:

    Wir von unserer Seite versuchen i.d.R. die Fehler in Interviews vor Veröffentlichung zu korrigieren. Leider übersehen auch wir gelegentlich Kleinigkeiten, entschuldigung niemand ist perfekt :)

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