Streetgirl.twoday.net
Das Freudenmädchen, wie sich Melanie nennt, gibt uns ein paar Einblicke in ihre Arbeit. Prostitution sei das älteste Gewerbe der Welt, so hört man immer wieder. Dennoch ist und bleibt diese Arbeit weiterhin ein Tabu.
Hallo Melanie, worum dreht es sich bei deinem Blog?
Hi David! Es ist ein Berufsblog, in dem ich über meinen Alltag und meine Erlebnisse berichte. Ich arbeite als Callgirl und auf der Straße in einer deutschen Großstadt.
Wie bist du auf die Idee gekommen, über deine Arbeit zu bloggen?
Ich lese schon seit einiger Zeit recht gern in anderen Blogs und vor allem haben es mir diejenigen angetan, in denen man in die Arbeitswelt anderer Leute hineinschnuppern kann. Irgendwie hatte ich nie eines zu meinem eigenen Beruf gefunden und so habe ich letztes Jahr spontan beschlossen, selbst zu bloggen. Ich bin dabei ziemlich ins kalte Wasser gesprungen und hatte keine Ahnung, ob das jemand lesen würde und ob ich einigermaßen schreiben könnte, aber es hat sich sehr angenehm entwickelt seitdem.
Hast du schon mal einschlägige Anfragen von Lesern bekommen? Wenn ja, wie fällt deine Reaktion aus?
Die bekomme ich fast täglich und das Blog wäre als Werbeinstrument sicher eine interessante Sache. Aber ich lehne alle Anfragen ab, denn einerseits ist mir die Anonymität wichtig und andererseits könnte ich nicht mehr frei und unbefangen schreiben, wenn ich die Leser treffen würde.
Ich nehme an, deine Leserschaft ist nahezu komplett männlich?
Oh nein! Ganz im Gegenteil habe ich eine recht hohe Frauenquote unter den Lesern, ohne das jetzt in Zahlen ausdrücken zu können, denn auf Statistiken verzichte ich weitgehend. Aber ich sehe in den Kommentaren und in den Mails, dass es ziemlich ausgeglichen zwischen den Geschlechtern ist und das freut mich. Besonders bei den Mails ist das Spektrum ziemlich groß - von Schülerinnen, die mich für ein Referat befragen bis hin zu Frauen, die um Tipps bei bestimmten Praktiken bitten.
Arbeitest du hauptberuflich oder neben dem Studium?
Hauptberuflich, aber das soll nicht in Ewigkeit so bleiben. Ich habe noch einige andere Pläne im Leben und dazu gehört, dass ich in absehbarer Zeit ein Studium beginne und den Job dann an den Nagel hängen werde. Bis dahin widerstehe ich mehr oder weniger den Verlockungen und lebe relativ sparsam, um dann eine gewisse Absicherung zu haben.
Wie fallen die Reaktionen deiner Leser aus?
Sehr positiv. Die Trolle haben mich bisher recht wenig heimgesucht und in den Kommentaren entwickeln sich oft interessante und konstruktive Diskussionen. Da ich nicht nur über die kurioseren Erlebnisse schreibe sondern auch über weniger schöne Dinge, kommen natürlich auch geschockte und wütende Reaktionen. Aber sowas ist mir lieber, als wenn nur schulterzuckend konsumiert und weitergeklickt wird.
Welche Blogs liest du regelmäßig?
Das sind schon ein paar. Zur Standardlektüre gehören das Bestatterweblog, BILDblog und Eninas Schmökerverhökern. Und noch einige andere, aber das sprengt sonst den Rahmen, fürchte ich.
Betreibst du noch andere Blogs?
Nein.
Was können wir in Zukunft von dir und deinem Blog erwarten?
Das gleiche wie bisher: Lustige und weniger schöne Erlebnisse aus meinem Alltag, Antworten auf Fragen zum Thema Prostitution und was mir grad so wichtig ist. Ich schreibe immer spontan und das merkt man den Beiträgen manchmal auch an. Aber anders könnte ich das nicht.
Irgendwelche letzten Worte?
Ohne Gummi läuft nichts.
Melanie, danke für das Interview.
Link: streetgirl.twoday.net
Tags: Prostitution



Februar 20th, 2008 at 13:06
Blog Interviews… auch eine nette Idee.
Februar 20th, 2008 at 15:40
Stimmt…Ist mal wieder etwas anderes :). Direkt mal RSS´en
Februar 20th, 2008 at 19:03
Wunderbare letzte Worte
Februar 20th, 2008 at 20:02
Tolle Idee
Hier werde ich öfters reinschauen
Februar 23rd, 2008 at 17:11
Ich wusste vorher nicht, dass es so eine Seite gibt, wo man Blogger interviewt. Manchmal kommt in mir der Verdacht auf, ob Streetgirl nicht ein Mann ist und uns an die Nase herumführt. Aber die Texte sind meistens sehr amüsant und gut.
Februar 23rd, 2008 at 17:20
@Roman,
Interessante These. Möglich wäre das natürlich, aber im Prinzip kann jeder sich als irgendwas ausgeben, solange überprüfbare Werte fehlen. Ich denke jedoch, dass es sich bei ihr um eine Frau handelt.