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Mittwoch, März 5th, 2008Arne von Genderama befasst sich mit der gesellschaftlichen Gleichstellung von Mann und Frau. Allerdings - und das ist eher selten - aus der Perspektive der Männer.
Siehst du die Rechte der Männer und Väter ganz allgemein bedroht?
Ja. Man kann hier eine lange Liste aufmachen: Jungen erhalten für dieselben Leistungen schlechtere Noten als Mädchen. Als Heranwachsende können nur junge Männer zu Zwangsdiensten herangezogen werden. Vätern kann häufig der Kontakt zu ihren eigenen Kindern verweigert werden. Es gibt Frauengesundheitszentren und einen Frauengesundheitsbericht, aber nichts Vergleichbares für Männer. Da die Länge der Antworten bei dir (sinnvollerweise) begrenzt ist, kann ich hier nicht alle einzelnen Benachteiligungen aufzählen: In meinem Buch "Mänerbeben" umfasst eine entsprechende Auflistung zwanzig Seiten. Eine geraffte Liste hat die Männerrechtsgruppe MANNdat e.V. erstellt, sie ist in der rechten Randspalte meines Blogs unter der Zeile "Was wir wollen" verlinkt.
Ich wage zu behaupten, dass sich nicht wenige Männer über "Unterdrückung durch Feminismus" beklagen, aber eher beiläufig. Du hast ein Blog dazu erstellt. Warum?
Begonnen hat alles vor fast zehn Jahren, als ich ein Buch über populäre Irrtümer über Frauen und über Männer schreiben wollte. Bei der Recherche habe ich festgestellt, dass die Frauenbewegung mit vielen Vorurteilen gegenüber dem weiblichen Geschlecht ziemlich gut aufgeräumt hatte, dass aber dasselbe bei Männern noch nicht geschehen ist. Dort halten sich die Vorurteile weiterhin sehr hartnäckig - auch weil unsere Medien Männerrechtlern im Vergleich zu Feministinnen ein sehr begrenztes Podium bieten. Die Männerrechtsbewegung spielt sich vor allem im Internet ab. Das bedeutet leider auch, dass wir nur vergleichsweise wenige Männer auf den Hintergrund der verschiedenen Probleme aufmerksam machen können - und diejenigen, die diese Probleme erkannt haben, müssen sich besonders stark ins Zeug legen, um etwas zu erreichen. Bis jetzt wissen die meisten Männer vermutlich noch nicht mal, dass es eine Männerrechtsbewegung in Deutschland gibt.
Was muss sich ändern?
Was die Einzelthemen angeht, kann ich wieder nur auf die schon erwähnte MANNdat-Auflistung "Was wir wollen" verweisen, weil ich sonst vom Hölzchen aufs Stöckchen kommen würde. Wenn man den großen Gesamtrahmen betrachtet, wäre es schon eine enorme Hilfe, wenn die Medien den Interessen, Anliegen und Problemen von Männern als sozialer Gruppe ebenso viel Raum geben würde wie den Frauen als sozialer Gruppe. Das hundertachte Buch zu der Frage, ob wir einen neuen Feminismus brauchen, wird in den Leitmedien breit vorgestellt, die Titel der Männerbewegung nicht. Untersuchungsergebnisse, denen zufolge Frauen das höherwertige Geschlecht sind, werden breitflächig zitiert, entgegenlaufende Ergebnisse nicht, da sie nicht als politisch korrekt gelten. Bei dieser einseitigen Steuerung der öffentlichen Meinung ist es kein Wunder, dass es keine männliche Alice Schwarzer und nur ein Ministerium für Frauen, aber keines für Männer gibt.
Welche Blogs liest du regelmäßig?
Das Blog, das ich derzeit am häufigsten besuche, ist "Politisch korrekt" - was hochironisch ist, da ich als Liberaler mit politischer Korrektheit sonst herzlich wenig anfangen kann. Allerdings ist die hysterische Weise, wie derzeit die Islamdebatte geführt wird, alles andere als liberal, und man hat hier mittlerweile den Eindruck, alle Muslime zu Halbidioten oder latenten Gewalttätern zu erklären sei die neue Form der politischen Korrektheit in Deutschland geworden. Insofern halte ich den Namen dieses Blogs für nicht ganz ideal, aber mir gefällt, wie sein Betreiber die jeweils aktuellen Horrormeldungen des Tages mit gründlicher Recherche auf ihre Glaubwürdigkeit abklopft und ihnen fundierte Sachinformationen gegenüberstellt. Ansonsten lese ich eine ganze Reihe von medienkritischen Blogs wie z. B. das von Stefan Niggemeier.
Betreibst du noch andere Blogs?
Ja, ein "privates", also nicht in eine politische Bewegung eingebundenes, Blog als Autor: "Hinter meinem Schreibtisch". Dort veröffentliche ich aber sehr viel sporadischer als bei "Genderama".
Was können wir in Zukunft von dir und deinem Blog erwarten?
Kontinuität. Ich werde weiterhin alles geben, um über jede in meinen Augen interessante Meldung aus der Geschlechterdebatte zu berichten und sie zu kommentieren, wenn es sinnvoll erscheint. Wobei die Nachrichtenlage stark wechselt: Es gibt öfters mal Tage, da fühle ich mich zu sieben Einträgen angehalten (mein Spitzenwert waren zwölf), und andere, da passiert überhaupt nichts berichtenswertes. Wenn ich beruflich viel zu tun habe, mutiert mein Blog auch schon mal zur reinen Nachrichtenabwurfstelle. An ruhigeren Tagen kann ich mir die Zeit nehmen zu überlegen, wie ich eine Nachricht sprachlich so ansprechend präsentiere, dass die Besucher meines Blogs beim Lesen schmunzeln müssen oder dass - in anderen Fällen - meine Empörung auf sie überspringt. Hin und wieder verfasse ich auch sehr ausführliche Kommentare, Buchrezensionen oder veröffentliche aussagestarke Lesermails.
Irgendwelche letzten Worte?
Ganz generell gesprochen: Wenn Journalisten gründlich recherchieren würden, anstatt nur dem Zeitgeist nachzuplappern, hätten wir viele Probleme nicht.
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