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Bestatterweblog.de

Freitag, Februar 13th, 2009

Hallo Tom, herzlich willkommen zurück im Bloggersdorf. Erzähl mir doch bitte zunächst einmal, was sich beim „Bestatterweblog“ seit unserem ersten Interview vor einem Jahr so getan hat.

Ich mache einfach weiter mein Ding, erzähle aus dem Leben und Berufsalltag eines Bestatters und versuche den Spagat zwischen Information und Unterhaltung. Seit dem letzten Interview hat sich das Weblog etabliert und es hat einen etwas größeren Bekanntheitsgrad erlangt.

Bei meinem letzten Besuch Deiner Seite schien es mir, als habest Du inzwischen einen breiten Leserstamm aufbauen können. Wie werden die Leute auf Deinen Blog aufmerksam?

Keine Ahnung, woher die Leute vom Weblog erfahren. Ich reise nicht durch die Blogosphäre und kommentiere in allen möglichen Weblogs, nur um meine Duftmarken zu hinterlassen. Mir ist bewußt, daß dieses gegenseitige Besuchen, Lesen, Kommentieren und Verlinken ein wichtiger Aspekt innerhalb der sogenannten Blogosphäre ist, aber mir fehlt dazu einfach die Zeit. Vielleicht würden noch mehr Leute kommen und lesen, wenn ich mehr unterwegs wäre.
So nehme ich an, daß es Mundpropaganda ist, die Leute aus den Blogrolls anderer Blogs von mir erfahren und einige Berichte in den Medien auch Interessenten anziehen.

Wie viele Besucher hast Du inzwischen durchschnittlich?

Ja, das ist ein Thema. Als ich im April 2007 angefangen habe, reichte noch ein ganz normaler Webauftritt, dann nahm die Besucherzahl derartig zu, daß ich einen Hoster mit mehr Service brauchte, wo ich dann im shared-hosting unterkam. Aber die Besucherzahl und die Zahl der Seitenaufrufe stieg weiterhin und es mußte ein eigener Server her. Aber der ist jetzt, Anfang 2009, auch schon wieder zu klein, sodaß wir derzeit auf eine größere Maschine umrüsten.
So im Schnitt komme ich auf etwas über 20.000 Besucher, aber an Spitzentagen sind es auch schon mal dreimal so viele. Und dann kommt eben derzeit leider nicht mehr jeder durch und viele sehen dann vorübergehend nur eine Fehlerseite, bis sich der Andrang wieder gelegt hat. Ich hoffe, daß das mit einem neuen Server besser wird.

Die Themen Tod und Bestattung, so scheint mir, sind auch heute für die Bevölkerung keine, über die die Familie beim Abendessen spricht. Denkst Du, dass der Erfolg Deines Blogs damit zusammenhängt, dass die Nutzer hier die Möglichkeit haben, sich zu informieren ohne „darüber sprechen zu müssen“?

Hm, ich sehe das etwas anders. Keiner spricht gerne über den eigenen Tod, niemand will gerne trauern. Aber über das Thema reden, ja, das tun wir doch alle. Wenn ein Bestatter in geselliger Runde seinen Beruf nennt, folgt zuerst Erschrockenheit, dann kommt die Neugierde und alle wollen etwas wissen. Ja, in der Situation in der man nicht selbst von Tod und Trauer betroffen ist, spricht man an und für sich sogar sehr locker und entspannt über das Thema.
Da das Thema aber in unserer Gesellschaft mit sehr vielen Tabus belegt ist, bietet das Bestatterweblog eben genau dafür Raum und Gelegenheit.

Du bist täglich mit dem Tod konfrontiert. Wie schaffst Du es, damit umzugehen und das was du tagtäglich erlebst zu verarbeiten?

Das Bestatterweblog dient mir dazu, eben diese Erlebnisse und Erinnerungen zu verarbeiten. Ich bin jemand, der Dinge sehr gut abarbeiten und auch lernen kann, wenn er darüber erzählt.

Du beschreibst in deinem Blog regelmäßig Erlebnisse Deines Arbeitsalltags. Hast Du jemals Probleme bekommen, wenn sich Menschen trotz Namensänderungen in Deinen Geschichten wiedererkannt haben?

Nein, noch nie. Ich verändere ja bekanntlich Namen und Orte, setze die Ereignisse in einen anderen zeitlichen Rahmen und verschmelze mehrere Erlebnisse oft zu einer Geschichte. Dadurch, daß ich anonym blogge, kommt keiner aus meinem tatsächlichen Umfeld darauf, daß er gemeint sein könnte.
Gebe ich Geschichten mal hier im Umfeld zum Besten, ist genau das Gegenteil ist der Fall. Wenn ich eine Figur total überzeichne, dann sagen die Menschen, daß sie genau so einen kennen. Berichte ich aber ganz normale, fast schon alltägliche Verhaltensweisen, höre ich oft, das sei ja nun unglaubwürdig.

Zwischendurch eine ganz bescheuerte Frage rein interessehalber: Magst Du Wrestling?

Ab und zu schaue ich das mal mit meinem Sohn, der das sehr gerne im Fernsehen anschauen mag. Ich war auch schon einmal in den USA auf einem Wrestling-Event. Aber im deutschen Fernsehen schaue ich mir das nicht so gerne an, weil ich die übertriebene Art der Kommentatoren für unerträglich halte.

In der Vergangenheit ist eine größere Anzahl an Medien auf Dein Weblog aufmerksam geworden. Stört Dich die mediale Aufmerksamkeit mit positiver oder negativer Berichterstattung?

Mir ist noch keine negative Berichterstattung untergekommen. Es stört mich aber nicht, wenn über das Weblog berichtet wird. Jedoch treibt es mich nicht in das Licht der Öffentlichkeit, ich mag gar nicht bekannt werden. Das bringt aber auch manchmal Probleme mit sich, wenn beispielsweise –wie neulich erst- ein öffentlich-rechtlicher TV-Sender mich gerne zu einer Sendung eingeladen hätte, ich aber wegen der Anonymität leider nicht zusagen konnte. Wäre gerne mal erster Klasse Bahn gefahren und hätte fürstlich übernachtet.

Wäre es rechtlich möglich, dass meine Asche in der Elbe verstreut wird ohne dass sich meine Nachkommen strafbar machen würden?

Schon. Meines Wissens ist es ohnehin nur eine Ordnungswidrigkeit, Totenasche nicht der Beisetzung auf einem Friedhof zuzuführen. Ich wüßte auch nicht, daß dafür ein Bußgeld fällig würde, wohl aber würde man Zwangsmaßnahmen zur Erlangung der Asche einsetzen. Wenn die Asche nun aber schon verstreut ist… Und eine Gewässerverunreinigung steht nicht zu befürchten, Asche ist rein mineralisch und steril.

Zum Abschluss ein Klassiker: Hast Du Angst vor dem Tod?

Nein, überhaupt nicht. Ganz ehrlich, nein. Was mich manchmal bewegt, sind natürlich der Wunsch, ohne Schmerzen sterben zu dürfen und ein wenig Wehmut, daß ich die Zukunft dann nicht mehr erleben kann, aber der Tod an sich schreckt mich nicht.

Tom, vielen Dank für deine Zeit und weiterhin alles Gute für Job und Blog.

Link: Bestatterweblog.de

Bestatterweblog.de

Dienstag, Februar 19th, 2008

 

Das Bestatterweblog berichtet vom Alltag eines Bestatters namens Tom. Zu diesem Beruf gehören Pietät und Taktgefühl zum A und O.

Hallo Tom. Dein Blog ist recht ausgefallen: Du berichtest vom Alltag  eines Bestatters. Wie bist du auf diesen Beruf gekommen?

Ich habe eine kaufmännische Ausbildung in diesem Betrieb gemacht und  die Tochter des Inhabers geheiratet.

Wie entsprang die Idee, ein Bestatter-Blog zu gründen?

Tod und Trauer gehören zu den Tabuthemen unserer Gesellschaft. Dennoch  wird man als Bestatter eigentlich bei jeder Gelegenheit intensiv  ausgefragt. Hieraus entsprang die Idee, das offensichtliche allgemeine  Interesse über ein Weblog zu befriedigen. Außerdem hilft mir das  Weblog, meine Erlebnisse zu verarbeiten.

Sind deine Leser ältere Leute die sich schonmal mit dem Übergang ins  Jenseits beschäftigen, oder schart sich ein buntes Publikum um das  Bestatterweblog?

Die Jüngsten, die sich geoutet haben, sind so um die 14, die älteste  Leserin ist 92 Jahre alt. Es ist ein durchweg gemischtes Publikum aus  allen Altersklassen und sozialen Schichten.

Wie fallen die Reaktionen deiner Leser aus?

Ich bekomme unwahrscheinlich viele positive Rückmeldungen und es  grenzt schon fast ein bißchen an Fanpost. Ich freue mich sehr darüber,  auf diese Weise ein positives Feedback zu bekommen. Das ist bei  Weblogs ja nicht immer so. Manche schreiben ein Blog und bekommen nur wenige Kommentare. Erst  wenn sie das Weblog einstellen wollen, melden sich oft zahlreiche  stille Leser. Ich bin ganz froh, daß meine Leser nicht ganz so still  sind.

Die wichtigste Regel eines Bestatters?

Behandele jeden Verstorbenen und Angehörigen so, als ob es Dein Vater  oder Deine Mutter wäre.

Erd- oder Feuerbestattung?

Feuerbestattung. Das spart Platz, Kosten und man kann mit der Asche  nach freiem Willen verfahren, wenn man sich auskennt.Meine Asche soll mal an einem meiner Lieblingsplätze verstreut werden.

Welche Blogs liest du regelmäßig?

Keine. Ich schaue ab und an beim Shopblogger rein und klicke mich mal durch  meine Blogroll. Aber von diesem kleindeutschen Gehabe "ich schreibe  bei dir nur wenn du auch bei mir kommentierst" halte ich nichts. Ich  mach mein Ding und kümmere mich nicht viel.

Was können wir in Zukunft von dir und deinem Blog erwarten?

In erster Linie möchte ich so weitermachen wie bisher. Allerdings  haben mich die Leser schon zu einem Buch zum Weblog überredet, das in  diesen Tagen erscheint. Mal sehen, wozu ich mich noch hinreißen lasse.  Derzeit wird viel nach einem Podcast gefragt.

Irgendwelche letzten Worte?

Macht’s gut. und danke für den Fisch!

Tom, danke für das Interview und weiterhin eine gute Zeit.

Link: www.bestatterweblog.de

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