Another-view-on-history.de
So! Nach mehrtägiger Feuerpause, bedingt durch Ladehemmungen, sind wir wieder am Start. Diesmal zeigt uns Torsten Schneider von Another-view-on-history.de, dass Geschichte nicht langweilige, tote Materie sein muss, sondern durchaus spannend ist und auch einmal aus anderen Blickwinkeln betrachtet werden kann.
Torsten, willkommen in Bloggersdorf. Wer sind die Betreiber von AVH (another-view-on-history)?
Ja, hallo. Erst einmal danke für die Möglichkeit, unser Blog hier vorstellen zu dürfen.
Die Betreiber von AVH sind meine Freundin, Dörthe Hannich und ich, Torsten Schneider. Wir haben beide Geschichte an der Johannes-Gutenberg Universität in Mainz studiert.
Dörthe in Verbindung mit Buchwissenschaft (Geschichte des Buchdrucks, des Verlagswesens etc.) und Germanistik.
Das Thema Geschichte ist ein gigantisches Ungetüm. Hat euch ein solch riesiger Themenbereich nicht abgeschreckt?
Wir müssen natürlich immer selektieren und sicher sind wir auch nicht zu jedem Thema über das wir schreiben Experten. Klar ist der ganze Bereich der Geschichte mit ihren komplexen Zusammenhängen und teilweise auch komplizierten Abhängigkeiten schwer zu überschauen. Aber dieser Aufgabe haben wir uns auch gar nicht gestellt (nicht umsonst hat auch jeder Forscher nur einen Schwerpunkt, einen kompletten Überblick zu haben ist gar nicht möglich), da wir gar kein umfassendes Bild zu geben versuchen, sondern vielmehr Einzelereignisse herausgreifen, allerdings nicht, ohne diese auch in den Kontext ihrer historischen Umwelt zu stellen.
In welcher Art und Weise soll euren Besuchern eine andere Sicht auf die Geschichte vermittelt werden?
Wir kennen das Thema Geschichte ja nun aus der wissenschaftlichen Perspektive der universitären Lehre. Geschichte ist aber mehr als das, was uns heute davon bleibt, also mehr als die historischen Quellen, auf die wir in der Forschung zurückgreifen können und mehr als nur der wissenschaftliche Ertrag, den wir daraus ziehen können.
Uns hat einfach die Frage interessiert, wie denn Zeitgenossen historischer Ereignisse diese selbst wahrgenommen haben könnten. Daraus entstand die Idee des Blogs, für die Tage eines Jahres immer ein Ereignis, das zum gleichen Datum in der Vergangenheit geschehen ist herauszugreifen und uns zu überlegen wie ein Mensch dieser Zeit das Ereignis wahrgenommen haben könnte. Das ist natürlich fiktiv und jeder Historiker würde sagen, dass sei unwissenschaftlich. Stimmt alles. Aber es geht hier eben nicht nur um Bildung, sondern wir hoffen, auf diese Weise Interesse für Ereignisse wecken zu können, die vielleicht schon aus dem öffentlichen Fokus verschwunden sind und dies eben fernab vom reinen Vermitteln der Fakten mit einem unterhaltsamen Intro, oft subjektiv und manchmal vielleicht auch kontrovers.
Welche Besonderheiten zeichnen euer Blog aus?
Ich denke, wir bewegen uns auf einem Terrain, bei dem man sich auch immer Diskussionen aussetzt. Darf man Geschichte so personalisieren, abseits von den wirklich überlieferten Quellen? Darf man so werten? Das war zum Beispiel bei dem kürzlich veröffentlichen Artikel über die Konferenz von Jalta sicherlich so eine Gratwanderung. Aber gerade das macht unser Blog eben aus: Wir wollen offen sein für neue Gedanken und Ansätze und so wären wir übrigens auch offen, falls sich Leute finden sollten, die gerne in dieser Art ihren eigenen Ideen Ausdruck verleihen und am Blog mitarbeiten wollen.
Geschichte ist ein interessantes Thema wie ich finde. Sollten solche pädagogisch wertvollen Blogs öfter von Schulen genutzt werden? Wenn ja, wie ließe sich das realisieren?
Ich weiß nicht, ob das sinnvoll wäre. Zumindest nicht in den unteren Klassen. Da fällt es Schülern oft schon schwer genug, die Zusammenhänge überhaupt erfassen zu können. Sie jetzt auch noch unterscheiden zu lassen, was ist Fiktion, was Realität könnte verwirrend sein.
In höheren Klassen ist die Fragestellung aber durchaus interessant, denke ich, im Sinne eines empathischen Geschichtsunterrichts vielleicht einmal ein Projekt zu starten, in dem Schüler sich Gedanken machen, wie denn Zeitgenossen des gerade behandelten Themenkomplexes diesen gesehen haben könnten und das eben BEVOR wirklich existierende Zeitzeugenberichte betrachtet werden (sofern es sie gibt. Je weiter wir in der Geschichte zurückgehen, desto weniger gibt es da natürlich).
Welche Blogs liest du regelmäßig?
Nicht so arg viele, wie ich zugeben muss. Dazu fehlt mir etwas die Zeit (vor allem nachdem wir selbst gerade mit diesem sehr zeitaufwändigen Blog begonnen haben). Was ich aber lese sind in der Hauptsache Blogs rund um Wein, andere historische Blogs und so Standards wie den shopblogger.
Betreibst du noch andere Blogs?
Eigentlich noch zwei weitere. Wobei das eine ein reines Info-Blog meiner Firma ist, als Ergänzung zum Newsletter, im Sinne von RSS-Marketing. Das zweite ist ein Blog zum Thema Wein, das mich, wie ich zugeben muss, aber nie so gefesselt hat wie jetzt AVH und entsprechend sporadisch neue Einträge bekommt.
Was können wir in Zukunft von dir und deinem Blog erwarten?
Mal schauen. Hoffentlich noch viele weitere Artikel im Stile des schon veröffentlichten. Geschichte ist so vielfältig, da werden uns die Ideen sicher nicht ausgehen. Außerdem haben wir schon eine neue Idee für AVH im Kopf, über die ich noch nicht zuviel verraten möchte.
Nur soviel: Es wäre ein Zweitblog für AVH, das die Frage der fiktionalen Geschichtsschreibung noch etwas weiter treibt und zu Diskussionen (eventuell mit angeschlossenem Forum) anregen sollte.
Irgendwelche letzten Worte?
Oh je, in so was bin ich immer schlecht
Nur so viel: Es würde mich freuen, wenn wir mit unserem Blog einen ständig wachsenden Leserkreis unterhalten und auch anregen könnten, sich mit Geschichte zu beschäftigen und eigene Gedanken dazu anzustellen.
Ach so: Für Kritik, Lob und neue Ideen sind wir natürlich jederzeit dankbar.
Torsten, ich wünsche euch viel Erfolg mit AVH. Macht weiter so.
Link: www.another-view-on-history.de
Tags: Geschichte


